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Immer mehr Fernsehsender in Deutschland setzen Videojournalisten
ein. Auf diese Weise holen sie Bilder ins Programm, die
sie mit einem gewöhnlichen Fernsehteam nicht bekommen
hätten.
Doch wie arbeitet man professionell und erfolgreich mit
der Low-Budget-Technik? Ein gerade erschienenes Buch gibt
einen Einblick in den Berufsalltag mit vielen wertvollen
Praxistipps.
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| "Der Videojournalist"
gibt auf 258 Seiten einen Einblick in den Alltag
dieses Berufszweigs. (Foto: Mischel) |
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Ein konventionelles Fernsehteam besteht aus Kameramann,
Kameraassistent und Redakteur. Später
im Sender macht sich dann noch die Cutterin an die Arbeit,
bevor
der
Beitrag ausgestrahlt werden kann. Videojournalisten, kurz
VJs, sind hingegen Einzelkämpfer. Mit Hilfe ihrer kleinen,
vergleichsweise kostengünstigen DV-Kamera und einem
leistungsfähigen Computer erledigen sie
alle Arbeitsschritte allein, von der Recherche über
den Dreh bis zum Schnitt.
Autor Dushan Wegner, selbst Videojournalist mit einigen
Jahren Praxiserfahrung, stellt gleich zu Beginn seines 258-seitigen
Buches "Der Videojournalist" klar: Er will seine
Leser nicht mit technischen Details langweilen. Vielmehr
möchte er einen umfassenden Einblick
in
das Berufsbild
vermitteln.
Am Ende der Lektüre sollen Anfänger in der Lage
sein, erste erfolgreiche Schritte als Videojournalist zu
gehen - vorausgesetzt sie beherrschen ihre eigene Technik.
Die richtige Ausrüstung
Auf den ersten Seiten erklärt Wegner Grundsätzliches
zur Wahl der idealen Kamera. Wer im Profigeschäft mitmischen
will, sollte bei dieser Investition
nicht sparen, denn Geräte aus dem Amateurbereich stoßen
schnell an ihre Grenzen.
Wesentliche Bildparameter sowie der Ton sollten auf jeden
Fall manuell gesteuert werden können.
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Längst haben auch öffentlich-rechtliche
Sender erkannt, dass sich mit "VJs" professionelles
Fernsehen machen lässt. Der Hessische
Rundfunk, der seit September 2003 Videojournalisten
für die Lokalberichterstattung einsetzt, wirbt offensiv
damit, innerhalb des ARD-Verbundes Pionierarbeit
zu leisten. Die BBC, europäisches
Vorbild für kostengünstiges und
höchst anspruchsvolles öffentlich-rechtliches
Fernsehen, hat bereits vor zwei Jahren
eine Vereinbarung unterzeichnet,
die den Einsatz von Videojournalisten im
großen Stil ermöglicht. |
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Nach Lektüre des ersten Kapitels wissen Leser das
wichtigste über zahlreiche Eigenarten der kleinen Camcorder:
weshalb ein manueller
Weißabgleich so wichtig ist, wann der Autofokus zickt
und warum man den "Gain" besser abgeschaltet lässt.
Zudem erklärt
Wegner kurz und verständlich die Probleme beim Filmen
von Objekten mit Gegenlicht und wie man mit dem richtigen
Zusammenspiel
von
Blende, Belichtungszeit
und entsprechend gewählter Brennweite die Tiefenschärfe
beeinflussen kann.
Oft werden Fernsehbeiträge von Videojournalisten wegen
ihrer schlechten Tonqualität kritisiert. Nur ein Beispiel
von Wegners zahlreichen Praxistipps: Einfach die beiden zur
Verfügung
stehenden Tonkanäle
unterschiedlich auspegeln.
Ist ein Kanal übersteuert, könnte immer noch der
andere die gewünschte Qualität liefern. Viele VJs
fragen sich am Anfang ihrer Karriere, mit welchem Mikrofontyp
sie
in bestimmten Situationen die besten Resultate erzielen.
Hier wäre ein entsprechender Überblick über
verschiedene Typen
und
Richtwirkungen
wünschenswert
gewesen.
Dreh und Schnitt
Anschließend gibt Wegner einen Einblick in die Arbeitsschritte
nach dem Dreh. Zunächst
stellt er kurz die beiden wichtigsten kommerziellen Programme
für den Videoschnitt vor: Final Cut und Avid Xpress
Pro. Seine anschließenden Ausführungen
zur digitalen Nachbearbeitung setzen diese Systeme aber nicht
voraus, sondern sind allgemein gehalten. So lernen Leser
unter anderem, wie sie in eine Bewegung hineinschneiden
oder einen O-Ton "vorlappen" lassen. An wenigen
Stellen könnten
sich Anfänger jedoch überfordert fühlen:
Zum Beispiel taucht plötzlich der Fachbegriff "Trimmen" auf,
obwohl er vorher nicht erklärt wurde (Seite 82).
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| Zahlreiche
Fotos und Zeichnungen erklären anschaulich,
wie man als Videojournalist arbeitet.
(Foto: Mischel) |
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Nachdem klar geworden ist, wie sehr ein erfolgreicher Dreh
den anschließenden Schnitt beeinflusst, zeigt der Autor,
was es mit der Bildgestaltung
auf sich hat. Dabei werden die wesentlichen Grundbegriffe
wie "Totale", "Halbnah" oder
"Achsensprung" verständlich
erklärt und durch zahlreiche Zeichnungen
aufgelockert. Zudem erfahren Leser, wie man einen Dreh plant,
ein Storyboard erstellt und verständlich
für
das Fernsehen textet. Der besonderen Situation des Interviews
schenkt Wegner
entsprechende
Aufmerksamkeit: Hier zeigt er genau, wie der Interviewpartner
ins Bild gesetzt werden sollte und was bei der Ausleuchtung
zu beachten ist. Leider deutet er nur kurz an, wie man hässliche
Falschfarben bei der Mischung von Kunst- und Tageslicht vermeiden
kann.
Den Alltag organisieren
Gut die Hälfte des Buches widmet Wegner dem Drumherum des
VJ-Alltags: Wie finde ich vernünftige Themen? Wer eignet
sich als Protagonist für meinen Beitrag? Und wie verwalte
ich mein ständig wachsendes Bildarchiv? Wer selbst schon
einige Jahre im Geschäft ist, wird ohnehin seine eigene Arbeitsweise
entwickelt haben. Wer noch am Anfang steht, wird diese Tipps
zu schätzen wissen. Zum Schluss gibt's noch ein paar medienrechtliche
Tipps, denn durch ungeschickte Bildberichterstattung können
schnell
Persönlichkeitsrechte Dritter verletzt werden. Nachdem
der Autor den
Unterschied zwischen
relativen
und
absoluten Personen der Zeitgeschichte erklärt hat, wird
klar: Im Zweifel immer eine schriftliche Genehmigung
zur
Ausstrahlung
einholen.
Fazit: Lesenswert
Insgesamt ist Dushan Wegner ein gut lesbares, zuweilen sehr
salopp formuliertes, aber dafür unterhaltsames und umfassendes
Buch
über das Berufsbild des Videojournalisten gelungen.
Für Einsteiger
in die Materie
bietet es die notwendige Orientierung. Wer schon ein paar
Jahre in der Branche arbeitet, wird hier und dort trotzdem
noch
mit
dem
ein oder
anderen Praxistipp überrascht.
Bibliographische Angabe
Wegner, Dushan: Der Videojournalist. So arbeitet man mit
DV-Kamera und Computer erfolgreich für das Fernsehen. mediabook
Verlag, Gau-Heppenheim, 2004. ISBN 3-93-2972-16-3. 258 Seiten,
EUR 47,00. |