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DUSHAN WEGNER 20.06.2004
Der Videojournalist
Von Email an Roman Mischel sendenRoman Mischel | externer LinkHomepage Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Immer mehr Fernsehsender in Deutschland setzen Videojournalisten ein. Auf diese Weise holen sie Bilder ins Programm, die sie mit einem gewöhnlichen Fernsehteam nicht bekommen hätten. Doch wie arbeitet man professionell und erfolgreich mit der Low-Budget-Technik? Ein gerade erschienenes Buch gibt einen Einblick in den Berufsalltag mit vielen wertvollen Praxistipps.

"Der Videojournalist" gibt auf 258 Seiten einen Einblick in den Alltag dieses Berufszweigs. (Foto: Mischel)

Ein konventionelles Fernsehteam besteht aus Kameramann, Kameraassistent und Redakteur. Später im Sender macht sich dann noch die Cutterin an die Arbeit, bevor der Beitrag ausgestrahlt werden kann. Videojournalisten, kurz VJs, sind hingegen Einzelkämpfer. Mit Hilfe ihrer kleinen, vergleichsweise kostengünstigen DV-Kamera und einem leistungsfähigen Computer erledigen sie alle Arbeitsschritte allein, von der Recherche über den Dreh bis zum Schnitt.

Autor Dushan Wegner, selbst Videojournalist mit einigen Jahren Praxiserfahrung, stellt gleich zu Beginn seines 258-seitigen Buches "Der Videojournalist" klar: Er will seine Leser nicht mit technischen Details langweilen. Vielmehr möchte er einen umfassenden Einblick in das Berufsbild vermitteln. Am Ende der Lektüre sollen Anfänger in der Lage sein, erste erfolgreiche Schritte als Videojournalist zu gehen - vorausgesetzt sie beherrschen ihre eigene Technik.

Die richtige Ausrüstung

Auf den ersten Seiten erklärt Wegner Grundsätzliches zur Wahl der idealen Kamera. Wer im Profigeschäft mitmischen will, sollte bei dieser Investition nicht sparen, denn Geräte aus dem Amateurbereich stoßen schnell an ihre Grenzen. Wesentliche Bildparameter sowie der Ton sollten auf jeden Fall manuell gesteuert werden können.

 INFO: 
Längst haben auch öffentlich-rechtliche Sender erkannt, dass sich mit "VJs" professionelles Fernsehen machen lässt. Der Hessische Rundfunk, der seit September 2003 Videojournalisten für die Lokalberichterstattung einsetzt, externer Linkwirbt offensiv damit, innerhalb des ARD-Verbundes Pionierarbeit zu leisten. Die BBC, europäisches Vorbild für kostengünstiges und höchst anspruchsvolles öffentlich-rechtliches Fernsehen, hat bereits vor zwei Jahren eine Vereinbarung externer Linkunterzeichnet, die den Einsatz von Videojournalisten im großen Stil ermöglicht.

Nach Lektüre des ersten Kapitels wissen Leser das wichtigste über zahlreiche Eigenarten der kleinen Camcorder: weshalb ein manueller Weißabgleich so wichtig ist, wann der Autofokus zickt und warum man den "Gain" besser abgeschaltet lässt. Zudem erklärt Wegner kurz und verständlich die Probleme beim Filmen von Objekten mit Gegenlicht und wie man mit dem richtigen Zusammenspiel von Blende, Belichtungszeit und entsprechend gewählter Brennweite die Tiefenschärfe beeinflussen kann.

Oft werden Fernsehbeiträge von Videojournalisten wegen ihrer schlechten Tonqualität kritisiert. Nur ein Beispiel von Wegners zahlreichen Praxistipps: Einfach die beiden zur Verfügung stehenden Tonkanäle unterschiedlich auspegeln. Ist ein Kanal übersteuert, könnte immer noch der andere die gewünschte Qualität liefern. Viele VJs fragen sich am Anfang ihrer Karriere, mit welchem Mikrofontyp sie in bestimmten Situationen die besten Resultate erzielen. Hier wäre ein entsprechender Überblick über verschiedene Typen und Richtwirkungen wünschenswert gewesen.

Dreh und Schnitt

Anschließend gibt Wegner einen Einblick in die Arbeitsschritte nach dem Dreh. Zunächst stellt er kurz die beiden wichtigsten kommerziellen Programme für den Videoschnitt vor: Final Cut und Avid Xpress Pro. Seine anschließenden Ausführungen zur digitalen Nachbearbeitung setzen diese Systeme aber nicht voraus, sondern sind allgemein gehalten. So lernen Leser unter anderem, wie sie in eine Bewegung hineinschneiden oder einen O-Ton "vorlappen" lassen. An wenigen Stellen könnten sich Anfänger jedoch überfordert fühlen: Zum Beispiel taucht plötzlich der Fachbegriff "Trimmen" auf, obwohl er vorher nicht erklärt wurde (Seite 82).

Zahlreiche Fotos und Zeichnungen erklären anschaulich, wie man als Videojournalist arbeitet. (Foto: Mischel)

Nachdem klar geworden ist, wie sehr ein erfolgreicher Dreh den anschließenden Schnitt beeinflusst, zeigt der Autor, was es mit der Bildgestaltung auf sich hat. Dabei werden die wesentlichen Grundbegriffe wie "Totale", "Halbnah" oder "Achsensprung" verständlich erklärt und durch zahlreiche Zeichnungen aufgelockert. Zudem erfahren Leser, wie man einen Dreh plant, ein Storyboard erstellt und verständlich für das Fernsehen textet. Der besonderen Situation des Interviews schenkt Wegner entsprechende Aufmerksamkeit: Hier zeigt er genau, wie der Interviewpartner ins Bild gesetzt werden sollte und was bei der Ausleuchtung zu beachten ist. Leider deutet er nur kurz an, wie man hässliche Falschfarben bei der Mischung von Kunst- und Tageslicht vermeiden kann.

Den Alltag organisieren

Gut die Hälfte des Buches widmet Wegner dem Drumherum des VJ-Alltags: Wie finde ich vernünftige Themen? Wer eignet sich als Protagonist für meinen Beitrag? Und wie verwalte ich mein ständig wachsendes Bildarchiv? Wer selbst schon einige Jahre im Geschäft ist, wird ohnehin seine eigene Arbeitsweise entwickelt haben. Wer noch am Anfang steht, wird diese Tipps zu schätzen wissen.

Zum Schluss gibt's noch ein paar medienrechtliche Tipps, denn durch ungeschickte Bildberichterstattung können schnell Persönlichkeitsrechte Dritter verletzt werden. Nachdem der Autor den Unterschied zwischen relativen und absoluten Personen der Zeitgeschichte erklärt hat, wird klar: Im Zweifel immer eine schriftliche Genehmigung zur Ausstrahlung einholen.

Fazit: Lesenswert

Insgesamt ist Dushan Wegner ein gut lesbares, zuweilen sehr salopp formuliertes, aber dafür unterhaltsames und umfassendes Buch über das Berufsbild des Videojournalisten gelungen. Für Einsteiger in die Materie bietet es die notwendige Orientierung. Wer schon ein paar Jahre in der Branche arbeitet, wird hier und dort trotzdem noch mit dem ein oder anderen Praxistipp überrascht.

Bibliographische Angabe

Wegner, Dushan: Der Videojournalist. So arbeitet man mit DV-Kamera und Computer erfolgreich für das Fernsehen. mediabook Verlag, Gau-Heppenheim, 2004. ISBN 3-93-2972-16-3. 258 Seiten, EUR 47,00.

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