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"Schnell! Sie haben nur zehn Sekunden, um sich der
Welt zu präsentieren. Was sagt Ihre Homepage?",
fragt Jakob Nielsen in seinem neuen Buch "Homepage Usability".
Leider oft das Falsche oder das Richtige im falschen Stil,
ist man nach der Lektüre geneigt zu sagen.
Akribisch - um nicht zu sagen: pedantisch - untersucht Jakob
Nielsen auf 50 Homepages jedes Detail und wird nicht müde,
auf die immer gleichen Fehler hinzuweisen. In sein Visier
nimmt er von querbeet alles, was Rang und Namen hat: Amazon,
BBC, das Art Institute of Chicago, Cnet, eBay, das Florida
Department of Revenue, Ford, IBM, Microsoft und Yahoo, um
nur ein paar wenige zu nennen.
Fehler auf berühmten Sites
Trotz vielen Wiederholungen (wie z.B. der Title Tag oder
die Position der Such-Box) ist die Lektüre nicht langweilig;
gerne blättert man von Homepage zu Homepage und freut
sich insgeheim, wie Nielsen auch auf berühmten Sites
Anfängerfehler findet. Die Analysen der 50 Homepages
sind alle nach dem gleichen Muster aufgebaut und folgen alle
derselben Nielsen-Usability-Logik. Die erste Doppelseite zeigt
die Homepage und gibt einen Überblick über Stärken
und Schwächen. Danach folgt eine Auflistung aller Punkte,
die Nielsen kritisiert (oder selten lobt). Unter 20 Kritik-Punkte
schafft es keine Homepage.
113 Guidelines für die eigene Homepage
Nützlich ist "Homepage Usability" aber erst,
wenn man sich die Mühe nimmt, die eigene Website kritisch
zu betrachten. Dazu dienen die 113 Homepage-Guidelines, die
Nielsen aufstellt. Diese Richtlinien sind sehr praxisnah verfasst
und erlauben die systematische Überprüfung der eigenen
Homepage, sei das in bezug auf den Schreibstil, die Navigation,
das Datumsformat, das Login und vieles mehr.
Wertvoll für Online-Journalisten
Das Buch richtet sich an alle, die mit einer Homepage zu
tun haben - also auch an Online-Journalisten. Nielsen befasst
sich in seiner Homepage-Analyse intensiv mit dem Schreibstil,
mit der Link-Beschriftung, den Titeln und den kurzen Text-Anrissen.
Reine Design-Fragen wie Farbgebung oder Logo-Gestaltung nehmen
einen viel kleineren Raum ein.
Wieviel Standard ist sinnvoll?
Ob Jakob Nielsen mit seinen Homepage-Richtlinien recht hat
oder nicht, darüber kann man lang streiten. Die interessantere
Frage ist aber wohl die, ob es richtig ist, jede Homepage
- unabhängig von ihrem Inhalt - nach denselben Richtlinien
zu beurteilen. In einem kürzlich publizierten Streitgespräch
auf cio.com
zwischen Jakob Nielsen und Vincent Flanders (Gründer
von Web
Pages That Suck) ging es genau um diese Frage. Bei einem
Auto sei das Gaspedal auch immer rechts von den Bremsen, verteidigte
Nielsen seine Richtlinien. Das seien Standards, die für
alle Websites gültig seien. Flanders sah das anders:
Gewisse Sites wie Kino-, Musik- und Design-Sites hätten
"the right to be inherently stupid".
Einseitige Auswahl der Homepages
Enttäuschend ist die Auswahl der im Buch untersuchten
Homepages. BBC Online und NewsNow sind die einzigen, nicht-amerikanischen
Homepages. Natürlich haben Nielsens Richtlinien auch
für Leute ausserhalb der USA ihre Gültigkeit, aber
hier hätte man von Nielsen einen etwas internet-gerechteren
Horizont erwarten dürfen.
Marie Tahir als Co-Autorin
"Homepage Usability" ist derart ein Nielsen-Buch,
dass man die Co-Autorin des Buches beinahe vergisst: Es ist
Marie Tahir, die über Lotus und Intuit zur Nielsen Norman
Group gestoßen ist.
Bibliographische Angabe
Jakob Nielsen, Marie Tahir: Homepage Usability - 50 enttarnte
Webseiten. ISBN 3-8272-6290-9. Markt & Technik. München,
2002. 320 Seiten. EUR 49,95.
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