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BERND.BLOEBAUM@UNI-MUENSTER.DE 16.05.2003
"Noch ein bisschen die Durststrecke gehen" (2)

Von Email an Fabian Hoberg sendenFabian Hoberg | externer LinkHomepage
und Email an Sven Kauffelt sendenSven Kauffelt

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In diesem Arbeitsplatzsegment für Journalisten gibt es mitunter große Qualitätsgefälle. Was ist für Sie guter Onlinejournalismus?

Im Bereich von aktuellem Journalismus gefällt mir sehr gut, was Spiegel Online macht. Hier überzeugt die Recherchekompetenz. Sie verfügen über die Kontakte und das sieht man auch in dem Internetangebot wieder. Auch was die Süddeutsche Zeitung anbietet, weil dort aus meiner Sicht die positiven und starken Elemente aus verschiedenen Bereichen zusammengeführt werden. Dort gibt es eine ganz geschickte Verbindung von Bildern und Tönen sowie schriftlichen Angeboten.

Der Spiegel spielt, wie andere Medien auch, einen großen Vorteil von Onlinejournalismus aus: nämlich die Verknüpfung von Themen zu Hintergründen. Man kann da ja sehr ausführliche Dossiers abrufen, man kann sich zu jedem relevanten Thema viel weiter informieren als nur über das Angebot, das gerade aktuell angezeigt wird. Das halte ich für eine sehr gute Entwicklung, einen qualitativ guten Onlinejournalismus, der dort geboten wird.

Um ein solches journalistisches Angebot zu realisieren, braucht man auch die Fähigkeiten aus verschiedenen Medien. Muss ein Onlinejournalist dann nicht auch schon in seiner Ausbildung mit all diesen Elementen vertraut gemacht werden?

Um die journalistische Qualität zu sichern, müssen auch im Online-Journalismus die Aufgaben geteilt werden, meint Blöbaum. (Foto: Hoberg)

Es wird im Onlinejournalismus ja versucht, alles zu integrieren und da denke ich, dass es eine journalistische Grundausbildung geben muss und dass man sich möglicherweise zusätzlich eine technische Fertigkeit aneignen muss, zum Beispiel im Umgang mit einer Kamera. Ich würde aber eher dafür plädieren, eine Arbeitsteilung herzustellen. Dieser Versuch, alles in einer Person, die dann Journalist heißt, zu integrieren, halte ich für etwas verfehlt. Der Journalismus hat sich schon sehr stark entwickelt, dass Journalisten auch bei den klassischen Medien sehr viele technische Aufgaben übernehmen müssen: im Bereich des Schnitts im Rundfunk, im Bereich des Setzens bei den Zeitungen und Zeitschriften. Und das soll jetzt noch weiter geführt werden, dass man die Tontechnik und die Kameratechnik bedient. Aus meiner Sicht gibt es damit ganz deutliche Qualitätsprobleme.

Das was wir im Fernsehbereich haben, was Videojournalisten dort abliefern, genauso wie die Plattform, auf denen die veröffentlichen, sind, was die journalistische Qualität angeht, deutlich hinter dem zurück, was man von den Öffentlich-Rechtlichen gewohnt ist. Und zwar sowohl die ästhetische Qualität der Bilder und der Inszenierung, der Darstellung, als auch die Qualität, was das sinnvolle Zusammenstellen der Informationen angeht.

Der Trend geht mittlerweile stark in Richtung Bezahlinhalte. Wie stehen Sie zu dieser Entwicklung?

Steckbrief
Professor Dr. Bernd Blöbaum, 45, ist seit 2001 Professor am Institut für Kommunikations-wissenschaften der Universität Münster. Nach dem Studium der Publizistik und Politikwissenschaften in Bochum und Berlin volontierte er bei der Neuen Westfälischen in Bielefeld. Im Anschluss an das Volontariat arbeitete er dort als Sportredakteur. 1987 trat er eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Journalistik der Universität Dortmund an, wo er unter anderem die Campuszeitung InDOpendent leitete. Im Rahmen dieser Tätigkeit unterstützte er eine Initiative der an InDOpendent beteiligten Studierenden, ein eigenes Onlinemedium ins Leben zu rufen, das im Mai 1995 erstmals online ging. Indonet.de (nicht mehr im Netz) gehörte zu den Pionierprojekten des Onlinejournalismus und fand seinerzeit in verschiedenen überregionalen Medien Beachtung. Nach Dortmund hatte Blöbaum Lehrstuhlvertretungen an den Universitäten Hamburg (WS 1998/99) und Bamberg (1999-2001), bevor er nach Münster wechselte.

Das ist eine Frage, die die zukünftige Finanzierung unserer Medien betrifft und ein Geburtsfehler des Onlinejournalismus ist gewesen, dass man den Eindruck vermittelt hat, diese Informationen seien preiswert zu haben. Ganz umsonst sind sie ja nicht, man muss ja die Übertragungs- und Verbindungskosten bezahlen, aber das ist ja ein relativ geringer Preis, der auch nicht so im Bewusstsein ist. Im Moment arbeitet man ja sehr stark daran, diese Attitüde, die sich auf der Seite des Publikums ausgebreitet hat, wieder abzubauen. Aus meiner Sicht ist das genau richtig.

Man muss für Angebote bezahlen, man muss für Qualitätsangebote bezahlen, weil nur so sichergestellt ist, dass es in Zukunft Qualitätsangebote geben wird. Nur wenn man einen Preis dafür verlangt, dann wird sich das auch in der Qualität niederschlagen. Und ich glaube auch, das Publikum ist bereit einen Preis für exklusive und gut aufbereitet Informationen und Ereignisse zu zahlen. In einigen Fällen scheint es ja auch schon zu funktionieren und es liegt nahe, dass man das in Zukunft auf viel mehr Beiträge ausweitet und dann denke ich, würde dieses Geld der Zukunft des Onlinejournalismus sehr stark entgegenkommen.

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