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BERND.BLOEBAUM@UNI-MUENSTER.DE 16.05.2003
"Noch ein bisschen die Durststrecke gehen"

Von Email an Fabian Hoberg sendenFabian Hoberg | externer LinkHomepage
und Email an Sven Kauffelt sendenSven Kauffelt

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Dr. Bernd Blöbaum ist seit 2001 Professor am Institut für Kommunikationswissenschaften der Universität Münster. Dort lehrt und forscht er in den Schwerpunkten Medientheorie und Medienpraxis. Onlinejournalismus.de sprach mit ihm über die Ausbildung von Onlinejournalisten, Chancen und Risiken des Berufs und die Zukunft des Mediums.

Professor Dr. Bernd Blöbaum, 45, ist seit 2001 Professor am Institut für Kommunikationswissenschaften der Universität Münster. (Foto: Hoberg)

Herr Professor Blöbaum, noch immer wird kontrovers diskutiert, ob Onlinejournalisten eine spezielle Ausbildung brauchen. Glauben Sie, dass das Medium Internet auch neue Konzepte an den Hochschulen erfordert?

Nach meiner Ansicht nicht. Wir reden hier ja über Journalismus und nicht über eine Spezialisierung in HTML- oder Programmierungsanwendungen. Ich denke, im Journalismus gibt es einen Korb von Grundfähigkeiten, den man haben muss, und die sind für alle Medien gleich. Dazu gehört insbesondere die Vermittlungskompetenz.

Vor der Spezialisierung muss die journalistische Grundausbildung stehen, sagt Bernd Blöbaum. Sie können sich den O-Ton anhören, wenn Sie das Flash-Plugin installiert haben. (Foto: Hoberg)

Journalisten müssen aus einer Menge von Informationen selektieren, müssen das Ergebnis dieser Selektion allgemein verständlich je nach Zielpublikum formulieren und darstellen können. Die Fähigkeiten, die man dafür braucht, um eine Nachricht geradeaus zu schreiben, aus einer Menge von Informationen die wesentlichen herauszufiltern, um Verbindungen zu ziehen von einem Ereignis zu einem anderen. Diese Kompetenz kann man in allen Medien verwenden, in traditionellen Medien und auch in Onlinemedien. Aus meiner Sicht muss es einfach eine journalistische spezifische Grundausbildung geben und dann kann es Spezialisierungen geben. Natürlich muss man sich im Onlinejournalismus mit Multimedia-Anwendungen auseinandersetzen, aber das halte ich für etwas, was auf den Grundkompetenzen aufbaut.

Wo setzen Sie denn die Schwerpunkte bei der Ausbildung?

Wir bieten das an, was man Journalistik nennt. Dazu gehört die Frage, wie man sich mit der Journalismustheorie und mit kommunikationswissenschaftlichen Theorien auseinandersetzt und die möglicherweise weiterentwickelt, ebenso wie Veranstaltungen, die darauf abzielen, den Studenten zu zeigen, wie man recherchiert, auch im Internet recherchiert. Ebenso wie medienrechtliche Elemente. Dies alles läuft unter dem Versuch, theoretische und praktische Aspekte zusammenzubringen, sie miteinander zu kombinieren. Ich würde sagen, dass wir für das gesamte Berufsfeld der Kommunikatoren ausbilden. Dazu gehört der Bereich klassischer Journalismus, aber dazu gehört auch der Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, Agenturen, Meinungsforschungsinstitute. Ebenso haben wir Angebote zu Multimediaanwendungen und Onlinejournalismus-Veranstaltungen.

Sie haben sich ja schon früh, von 1987 bis 2001 noch am Institut für Journalistik der Universität Dortmund, speziell mit dem Onlinejournalismus beschäftigt. Wie sehen Sie denn das Medium heute?

Bei Recherchen verlassen sich viele seiner Studenten zu sehr auf Google, beklagt der 45-jährige Journalistik-Professor. (Foto: Hoberg)

Insbesondere im Bereich der Recherche ist online ja ein ganz zentrales Instrument. Wobei ich manchmal, gerade auch bei den Studierenden mit denen ich hier zusammenarbeite, das Gefühl habe, dass man zu sehr darauf setzt. Wenn ich hier Rechercheaufgaben verteile und die stellen ihre Ergebnis vor, können sie davon fast ausgehen, dass 80 Prozent ihre Recherche mit google.de anfangen und oft gar nicht über eine Internetrecherche hinaus kommen. Es fehlen die klassischen Elemente wie Dokumentenrecherche, mal in eine Bibliothek gehen, oder es fehlt vor allem die Recherche auch in anderen Medien. Das wundert mich enorm, weil viele Medien auch Archive haben, die online abrufbar sind. Und es fehlt natürlich die persönliche Recherche, dass man mit Personen spricht, da man meint, man könnte alles aus dem Netz ziehen. Das ist ein Rückschritt.

Der Enthusiasmus von damals ist heute natürlich ziemlich zusammengeschrumpft, was mit den ökonomischen Entwicklungen zusammenhängt. Das hat natürlich auch zu einer Menge Veränderungen in der Ausbildung geführt. Es wurden ja in den vergangenen Jahren in Deutschland zahlreiche Online-Studiengänge aus der Taufe gehoben oder Multimedia- und Mediadesigner ausgebildet, die alle an diesem Schnittfeld Journalismus, Medien, Design und Online angesiedelt sind. Man wird gespannt sein, wie weit auch die Erwartungen, was die Arbeitsmarktchancen der Absolventen angeht, sich erfüllen lassen.

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