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Dr. Bernd Blöbaum ist seit 2001 Professor am Institut
für Kommunikationswissenschaften der Universität
Münster. Dort lehrt und forscht er in den Schwerpunkten
Medientheorie und Medienpraxis. Onlinejournalismus.de sprach
mit ihm über die Ausbildung von Onlinejournalisten, Chancen
und Risiken des Berufs und die Zukunft des Mediums.
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| Professor Dr. Bernd
Blöbaum, 45, ist seit 2001 Professor am Institut
für Kommunikationswissenschaften der Universität
Münster. (Foto: Hoberg) |
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Herr Professor Blöbaum, noch immer wird kontrovers
diskutiert, ob Onlinejournalisten eine spezielle Ausbildung
brauchen. Glauben Sie, dass das Medium Internet auch neue
Konzepte an den Hochschulen erfordert?
Nach meiner Ansicht nicht. Wir reden hier ja über Journalismus
und nicht über eine Spezialisierung in HTML- oder Programmierungsanwendungen.
Ich denke, im Journalismus gibt es einen Korb von Grundfähigkeiten,
den man haben muss, und die sind für alle Medien gleich.
Dazu gehört insbesondere die Vermittlungskompetenz.
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Vor der Spezialisierung
muss die journalistische Grundausbildung stehen,
sagt Bernd Blöbaum. Sie können sich den
O-Ton anhören, wenn Sie das Flash-Plugin
installiert haben. (Foto: Hoberg) |
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Journalisten müssen aus einer Menge von Informationen
selektieren, müssen das Ergebnis dieser Selektion allgemein
verständlich je nach Zielpublikum formulieren und darstellen
können. Die Fähigkeiten, die man dafür braucht,
um eine Nachricht geradeaus zu schreiben, aus einer Menge
von Informationen die wesentlichen herauszufiltern, um Verbindungen
zu ziehen von einem Ereignis zu einem anderen. Diese Kompetenz
kann man in allen Medien verwenden, in traditionellen Medien
und auch in Onlinemedien. Aus meiner Sicht muss es einfach
eine journalistische spezifische Grundausbildung geben und
dann kann es Spezialisierungen geben. Natürlich muss
man sich im Onlinejournalismus mit Multimedia-Anwendungen
auseinandersetzen, aber das halte ich für etwas, was
auf den Grundkompetenzen aufbaut.
Wo setzen Sie denn die Schwerpunkte bei der Ausbildung?
Wir bieten das an, was man Journalistik nennt. Dazu gehört
die Frage, wie man sich mit der Journalismustheorie und mit
kommunikationswissenschaftlichen Theorien auseinandersetzt
und die möglicherweise weiterentwickelt, ebenso wie Veranstaltungen,
die darauf abzielen, den Studenten zu zeigen, wie man recherchiert,
auch im Internet recherchiert. Ebenso wie medienrechtliche
Elemente. Dies alles läuft unter dem Versuch, theoretische
und praktische Aspekte zusammenzubringen, sie miteinander
zu kombinieren. Ich würde sagen, dass wir für das
gesamte Berufsfeld der Kommunikatoren ausbilden. Dazu gehört
der Bereich klassischer Journalismus, aber dazu gehört
auch der Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, Agenturen,
Meinungsforschungsinstitute. Ebenso haben wir Angebote zu
Multimediaanwendungen und Onlinejournalismus-Veranstaltungen.
Sie haben sich ja schon früh, von 1987 bis 2001
noch am Institut für Journalistik der Universität
Dortmund, speziell mit dem Onlinejournalismus beschäftigt.
Wie sehen Sie denn das Medium heute?
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| Bei Recherchen verlassen
sich viele seiner Studenten zu sehr auf Google,
beklagt der 45-jährige Journalistik-Professor.
(Foto: Hoberg) |
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Insbesondere im Bereich der Recherche ist online ja ein ganz
zentrales Instrument. Wobei ich manchmal, gerade auch bei
den Studierenden mit denen ich hier zusammenarbeite, das Gefühl
habe, dass man zu sehr darauf setzt. Wenn ich hier Rechercheaufgaben
verteile und die stellen ihre Ergebnis vor, können sie
davon fast ausgehen, dass 80 Prozent ihre Recherche mit google.de
anfangen und oft gar nicht über eine Internetrecherche
hinaus kommen. Es fehlen die klassischen Elemente wie Dokumentenrecherche,
mal in eine Bibliothek gehen, oder es fehlt vor allem die
Recherche auch in anderen Medien. Das wundert mich enorm,
weil viele Medien auch Archive haben, die online abrufbar
sind. Und es fehlt natürlich die persönliche Recherche,
dass man mit Personen spricht, da man meint, man könnte
alles aus dem Netz ziehen. Das ist ein Rückschritt.
Der Enthusiasmus von damals ist heute natürlich ziemlich
zusammengeschrumpft, was mit den ökonomischen Entwicklungen
zusammenhängt. Das hat natürlich auch zu einer Menge
Veränderungen in der Ausbildung geführt. Es wurden
ja in den vergangenen Jahren in Deutschland zahlreiche Online-Studiengänge
aus der Taufe gehoben oder Multimedia- und Mediadesigner ausgebildet,
die alle an diesem Schnittfeld Journalismus, Medien, Design
und Online angesiedelt sind. Man wird gespannt sein, wie weit
auch die Erwartungen, was die Arbeitsmarktchancen der Absolventen
angeht, sich erfüllen lassen.
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Teil 2 »
Was guten Online-
Journalismus auszeichnet
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