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HOCHSCHUL-AUSBILDUNG 16.10.2003
Mediumspezifisch vs. crossmedial (2)
Von Email an Martin Goy sendenMartin Goy Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

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Crossmediale vs. mediumspezifische Kompetenzen

Warum spielen gerade in den Journalistik-Studiengängen Online-Themen mit nur rund 12 Prozent eine deutlich geringere Rolle als in anderen Studiengängen?

Erste Erkenntnisse aus laufenden Experteninterviews bieten zwei Erklärungen. Viele der Befragten gaben als Grund für die geringe Zahl eine bewusst medienübergreifende Ausbildung an: Wer generell gut recherchieren und schreiben kann, so die Argumentation, der kommt später auch mit dem Online-Medium zurecht.

Einige der Befragten wiesen demgegenüber auf eine stärker online-spezifische Ausbildung in ihrem Studiengang hin. Für die geringe Anzahl online-spezifischer Lehrveranstaltungen machten sie vor allem den Mangel an entsprechenden Lehrkräften und technischen Ressourcen verantwortlich.

Online: eher Theorie- als Praxisthema

Betrachtet man die Veranstaltungsinhalte, fällt der große Theorieanteil (57 Prozent) auf. Nur zwölf Prozent befassen sich explizit mit der "journalistischen Praxis" und lediglich vier Prozent mit empirischen Methoden. Mit der technischen Seite des Online-Journalismus setzen sich neun Prozent der Veranstaltungen auseinander. Hinzu kommen 18 Prozent an Integrationsveranstaltungen dieser vier Ausrichtungen (siehe Grafik #2).

Grafik #2: Die graue Theorie dominiert die Veranstaltungen. (Grafik: Martin Goy)

Dabei fällt auf, dass sich die thematischen Gewichtungen zwischen Universität und Fachhochschule angleichen: Veranstaltungen mit Online-Schwerpunkt sind weitgehend journalistisch-praktisch, technisch-handwerklich oder integrativ ausgerichtet (siehe Grafik #3).

Veranstaltungen, die Online nur am Rande behandeln, haben weitgehend eine theoretisch-reflektierende Orientierung (Universitäten: durchschnittlich 73 Prozent, Fachhochschulen: durchschnittlich 59 Prozent).

Grafik #3: Universität und Fachhochschule gleichen sich bei der thematischen Gewichtung an. (Grafik: Martin Goy)

Betrachtet man die konkrete Thematik einzelner Angebote, zeigt sich, dass sich die theoretisch ausgerichteten Veranstaltungen überwiegend mit den Entwicklungen und Strukturbedingungen des Mediensystems befassen. In den journalistisch-praktisch ausgerichteten Veranstaltungen geht es in erster Linie um medienspezifische Arbeitsweisen wie "Schreiben für das Internet". Technisch orientierte Veranstaltungen gehen vor allem auf Themen rund um die Produktion von Online-Angeboten (zum Beispiel Webdesign) ein.

Bei dem jungen Thema Online ist nicht verwunderlich, dass über ein Drittel der Veranstaltungen zu Online-Themen von externen Lehrbeauftragten und nur ein Viertel von Professoren angeboten werden. Dies zeigt, wie stark die Einbindung von Online-Themen von Personalentscheidungen abhängig sein kann.

Ein Beispiel für die Bedeutung einzelner Personen ist die Entwicklung am [externer Link]Eichstätter Journalistik-Institut. Dort nahm die Zahl online-spezifischer Angebote deutlich ab, nachdem [externer Link]Klaus Meier und [externer Link]Christoph Neuberger die Universität verlassen hatten.

Fazit

Insgesamt gesehen hat "Online" als Thema vielerorts einen festen Platz in der Lehrplanung und wird hauptsächlich in theoretisch ausgerichteten Veranstaltungen behandelt. Die hochschulgebundene Ausbildung für den Online-Journalismus gehört allerdings außer in Darmstadt sicher nicht zu den Kernbereichen des Lehrangebots.

Das online-journalistische Angebot der übrigen Studiengänge unterscheidet sich in Einzelfällen stark, vor allem wegen der Experten-Debatte um eine medienspezifische oder crossmediale Kompetenzbildung, der unterschiedlichen wissenschaftlichen Zugänge zum Online-Medium und des personalpolitischen Faktors.

Wer Online-Journalist werden möchte, sollte sich also genau informieren, wo und vor allem bei wem man welche Ausbildung für welchen Online-Journalismus erhält.

Martin Goy hat an der Studie des Instituts für Journalistik in Hamburg mitgearbeitet.

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