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BESTANDSAUFNAHME 16.10.2003
Ausbildung im Jahr 2003 (1)
Von Email an Fiete Stegers sendenFiete Stegers | externer LinkHomepage Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Die Phrasen sind ausgelutscht, aber treffend: Der Rauch hat sich verzogen, das Feld gelichtet. Etliche einst euphorisch gestartete Ausbildungsangebote für den Online-Journalismus sind bereits wieder eingestellt, andere scheinen sich hingegen etabliert zu haben. Und: neue Anbieter und Konzepte gibt es auch. Ein Überblick.

Einen vielversprechenden Weg in den Online-Journalismus bietet der gleichnamige Studiengang an der Fachhochschule Darmstadt unter der Leitung von Klaus Meier (rechts). (Fotos: Tüshaus/Collage: Jonas)

Anfangs gab es gar keine, dann schossen sie wie Pilze aus dem Boden: Aus- und Weiterbildungsangebote für den Online-Journalismus – Kurz-Kurse, Hochschul-Seminare, schließlich Vollzeit-Ausbildungen. Und immer hechelten sie der Entwicklung ein wenig hinterher. Mitte 2001 – der Dotcom-Doom hatte Deutschland bereits erreicht – befand sich das Angebot rein von der Quantität her auf seinem Höhepunkt.

2001: Ausbildungstypen und offene Fragen

Die Studie [externer Link]Ausbildung für den Online-Journalismus unterschied Angebote in sechs verschiedenen Bereichen:

  • einzelne Seminare innerhalb bestehender Studiengänge an den Hochschulen
  • Integration online-journalistischer Inhalte in bestehende Volontariate klassischer Medien und Ausbildungen an Journalistenschulen (eher gering im Umfang)
  • praktisch orientierte Kurse bei Weiterbildungseinrichtungen (meist 1 bis 5 Tage Umfang)
  • mehrmonatige Lehrgänge mit Praktikumsphasen bei privaten Bildungsträgern
  • speziell auf den Online-Journalismus ausgelegte Volontariate in Medien-Betrieben und Journalistenschulen
  • den gerade eingerichteten Studiengang Online-Journalismus an der FH Darmstadt

Alle mussten sich mit dem noch unfertigen Berufsbild auseinandersetzen: Was müssen künftige Online-Journalisten können? Sind sie vornehmlich Journalisten, Gestalter oder gar PR-Redakteure? Haben Quereinsteiger die besten Karten oder ist für das Internet eine eigene medienspezifische Ausbildung notwendig oder zumindest nützlich? Die letzten beiden Ausbildungstypen beantworteten diese Frage ausdrücklich mit Ja.

Was hat sich seitdem verändert? Hinzugekommen sind nur wenige bemerkenswerte Ausbildungsangebote, weggefallen hingegen so manche.

Mehrmonatige Lehrgänge: Viele Anbieter verschwunden

"Der Markt hat sich konsolidiert", sagt Gabriele Hooffacker, Leiterin der Münchener Journalistenakademie. Sie untersuchte in einer Befragung die Konkurrenz – Unternehmen, die wie die Journalistenakademie mehrmonatige Vollzeit-Lehrgänge anbieten, die vor allem arbeitslose Akademiker zu Online-Journalisten ausbilden sollten.

56 Anbieter wurden angeschrieben – gut zwei Drittel der Angebote waren bereits vom Markt verschwunden, gerade 21 noch aktiv (siehe [externer Link]Liste der Anbieter). Teilweise warben die Anbieter sogar noch für mangels Teilnehmern nicht durchgeführte Lehrgänge.

Hooffacker stellte aber auch fest: die Ausbildungsgänge waren offenbar vor allem journalistisch geprägt. Andere Inhalte wie Technik und die Vermittlung sozialer Kompetenzen, spielten demnach keine so große Rolle wie von manchen erwartet bzw. als Aufweichung des journalistischen Berufsbilds befürchtet.

Tatsächlich waren nach Angaben der Ausbilder sogar 34 Prozent ihrer Abgänger inzwischen für klassische Medien tätig und nur 29 Prozent bei journalistischen Online-Medien. Ein Viertel der Lehrgangsteilnehmer ist inzwischen in der Öffentlichkeitsarbeit tätig.

Online-Volontariate: Eingestellt, auf Eis gelegt oder integriert

Stark geschrumpft ist auch das Angebot an Volontariaten in Online-Redaktionen: Die "Studie Ausbildung für den Online-Journalismus" attestierte dieser Ausbildungsform die gleiche Berechtigung wie auf Print-, Hörfunk- oder TV-Journalismus spezialisierten Volontariaten.

Die ausgedünnten Redaktionen sehen aber momentan keinen Bedarf, künftige Online-Spezialisten auszubilden. Die meisten um 2000/2001 angebotenen Online-Volontariate werden inzwischen nicht mehr angeboten.

Auch groß angelegte Projekte wie die das Online-Volontariat der Henri-Nannen-Schule oder das von mehren anderen Hamburger Verlagshäusern gemeinsam ausgearbeitete Programm für Online-Volontäre sind nach dem Auslaufen nicht verlängert worden.

Gerade auf diesem Gebiet aktive öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten haben ihr Online-Volontariat mit dem regulären Rundfunk-Volontariat verschmolzen. Sprich: Online ist auf eine kleine Lehreinheit für Hörfunk- und Fernsehvolontäre geschrumpft.

Diesen Weg gehen auch die [externer Link]RTL Journalistenschule für TV und Multimedia sowie die neue [externer Link]Electronic Media School Babelsberg, die die Volontärsausbildung für den RBB und Radio Bremen übernommen hat. Der erste Jahrgang der EMS hat inzwischen seine Ausbildung abgeschlossen. Seit Oktober 2003 werden in Potsdam die nächsten 16 Teilnehmer ausgebildet.

» weiter in Teil 2:
Online-Journalismus an Hochschulen
und gegen Gebühr

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